Was bedeutet Essentialismus?

»Das ist eine grundlegende Ironie im Leben der meisten Menschen. Sie wissen nicht genau, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Dennoch, sind sie sehr aktiv.« Ich liebe dieses Zitat von Ryan Holiday. Trifft es die Sache doch so gut. Genau darum ist Minimalismus so relevant. Doch lass uns ein wenig mehr über Essentialismus sprechen.

Wo ist der Unterschied zwischen Minimalismus und Essentialismus? Lass es uns einfach machen und es als das Gleiche betrachten. Beim Essentialismus geht es nicht darum, einfach nur weniger zu tun, damit man weniger tut. Es geht nicht darum, mehr zu erledigen. Es geht darum, das Richtige zu erledigen. Nicht mehr zu haben, sondern das Richtige zu haben. Beim Essentialismus geht um das Wesentliche.

Ebenso wie Minimalismus ist Essentialismus nicht einfach eine Sache, die man mehr macht. Nein, man macht alles anders. Es ist eine Art und Weise zu denken. Es ist eine Art und Weise zu leben.

Man könnte sagen, es geht darum, die bestmögliche Investition von Zeit und Energie zu tätigen, um den bestmöglichen Beitrag zu leisten. Dafür tut man möglichst nur, was essentiell ist. Am Ende geht es wieder darum, wie wir mehr Glück, Erfüllung und Freiheit in unser Leben und das anderer bringen können.

Das Leben eines Essentialisten bedeutet vor allem, sein Leben zu gestalten. Bewusst und aktiv zu sein und nicht passiv sich irgendwelchen Vorgaben hinzugeben. Dafür ist es nötig, dass wir zwischen den wichtigen und den unwichtigen Sachen unterscheiden. Dass wir erkennen, was für uns essentiell und was nicht essentiell ist. Dann die trivialen und unwichtigen Dinge aus unserem Leben zu eliminieren. Greg McKeown beschreibt es so: »Essentialismus ist ein disziplinierter, systematischer Ansatz, um zu bestimmen, wo unser höchster Beitrag liegt, und um dann die Ausführung dieser Dinge fast mühelos zu machen.«

Das mag sich erstmal anstrengend anhören. Vielleicht sogar bewertend und unfair. Vielleicht auch alles andere als erstrebenswert. Doch letztendlich entscheidest du, was für dich essentiell ist. In der Tat sind es oft Sachen wie Ausgleich, Erholung, Spiel, Stille und ähnliche Sachen, die von vielen als unwichtig bezeichnet werden.

Wie fängt man nun mit Essentialismus an? Es gibt sicherlich mehrere Wege. Man könnte es so sehen, dass es etwas ist, was man gelegentlich macht. Etwas, das man hinzufügt. Wieder eine Sache mehr. Doch man könnte es auch sehen, dass es etwas ist, was man wird – was man ist. Wie man lebt. Wie man alles komplett anders – simpler – macht. Tatsächlich ist es nichts, was wir hinzufügen. Viel eher gilt es so vieles abzulegen.

Mit dem Leben eines Essentialisten entscheiden wir uns für ein Leben voller Bedeutung. Doch nur du kannst dich dafür entscheiden. Nur du kannst aufhören, zu versuchen, alles zu tun. Aufzuhören, zu allem „Ja“ zusagen. Nur du kannst dich den wesentlichen Dingen voll und ganz widmen. Es mag simpel sein. Doch es ist sicherlich nicht einfach. Es braucht Courage und Empathie. Du entscheidest. Ob bewusst oder unbewusst. Ob aktiv oder passiv. Es liegt an dir.

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