Produktivität

Keine Ziele

Wenn es um Erfolg und Produktivität geht, werden Ziele meistens als eine Notwendigkeit angesehen. Als seien sie eine unerschütterliche Grundvoraussetzung, dass man erfolgreich ist.

Sicherlich nicht ohne Grund. Doch sind die wirklich notwenig?

Weiterhin gibt es einige verbreitete Überzeugungen in Bezug auf Ziele:

  • Wir müssen die richtigen Ziele identifizieren und festlegen
  • Wir müssen unsere Ziele auf die richtige Art und Weite formulieren (z.B. SMART bzw. SMARTER)
  • Wir brauchen viele umsetzbare Zwischenziele
  • Wir brauchen Fristen und Deadlines
  • Wir stellen unsere Ziele in den Fokus unseres Tages

Und bei sehr vielen funktioniert es auch. Menschen erreichen ihre Ziele. Die Arbeit mit ihnen, erlaubt es ihnen, erfolgreich zu sein. Ich möchte absolut nicht infrage stellen, ob die Arbeit mit Zielen Früchte tragen kann. Definitiv kann sie das. Doch ist das der einzige Weg, um erfolgreich zu sein? Und hat dieses Vorgehen auch Kosten?

Ziele haben auch ihre Schattenseiten:

  • Ziele können uns behindern: Sie können uns daran hindern, langfristig zu denken. Sie können vermeiden, dass wir erkennen, was eine bessere Option wäre. Wenn wir zu sehr an unseren Zielen festhalten, können wir für anderes blind werden.
  • Ziele sind künstlich: Sie können unsere Kreativität einschränken. Wir tun nicht mehr das, was wir gerade tun wollen. Nicht das, was gerade aus uns oder durch uns fließt. Sie behindern den Strom. Stattdessen arbeiten wir weiter an unseren Zielen.
  • Ziele erzeugen Stress: Sie üben Druck auf uns aus. Dieser Stress kann uns zu besonderen Taten bringen. Wir erreichen große Ziele. Erledigen Sachen. Gleichzeitig können wir uns überfordern. Krank werden. Ausbrennen.
  • Ziele sind in der Zukunft: Sie sind von Natur aus auf die Zukunft gerichtet. Es geht darum, was alles anders sein soll. Ziele können uns davon abhalten, im Augenblick zu sein. Uns auf die Gegenwart zu fokussieren.
  • Ziele enden nie: Sie bringen uns zu einer Lebensweise immer nach weiteren Ziele zu streben. Nachdem wir ein Ziel erreicht haben, setzen wir uns ein Neues. Ein Leben in ständiger Unruhe. Immer nach dem Bestreben auf etwas, das nicht ist.
  • Ziele können uns unglücklich machen: Sie bringen uns dazu, zu glauben, dass wir glücklich seien, wenn wir Ziele erreichen. So verlagern wir unser Glück in die Zukunft. Auf eine ungewisse Möglichkeit. Wir sind dann überzeugt, dass wir etwas bräuchten oder erreichen müssen, um glücklich zu sein. Ziele können uns behindern, jetzt glücklich zu sein.

Sicherlich könnte man meinen, dass das Streben nach immer Neuem etwas Gutes ist. Schließlich ist es nur natürlich, sich zu entwickeln. Doch kann es nicht auch schnell bedeuten, dass wir nie wirklich zufrieden sind? Worum geht es letztendlich im Leben? Wollen wir nicht Glück und Bedeutung finden? Helfen uns Ziele dabei wirklich?

Wie gehen wir damit um? Wie gesagt, ich möchte nicht sagen, dass wir komplett aufhören sollten, uns Ziele zu setzen. Nein, wir können Ziele haben. Wir können Wünsche haben. Wir können streben. Versuchen, unser Leben zu gestalten.

Dabei ist es jedoch wichtig, mit was für einer Einstellung wir dies tun. Wir können versuchen, nicht aus einem Mangel heraus zu agieren. Wir können versuchen, öfter im Hier und Jetzt zu sein. Wir können glücklich sein, unabhängig davon was wir erreicht haben. Wir können uns auf den Prozess fokussieren. Unserem Fortschritt und unser Entwicklung mehr Bedeutung geben als irgendwelchen Zielen.

Wir können Ziele nutzen, um unsere Zukunft zu gestalten. Gleichzeitig können wir eine gesunde Distanz zu ihnen haben. Unser Leben nicht von ihnen bestimmen lassen. Das tun, was uns wirklich bewegt. Was uns am Herzen liegt.

Wenn wir von etwas inspiriert werden, können wir uns dem widmen. Auch wenn es sich nicht mit unseren Zielen deckt. Das bedeutet aber auch nicht, dass wir ständig reagieren und Hin und Her irren. Es bedeutet, dass wir mehrere Gegensätze vereinen. Aktiv aber auch passiv sind. Also, du kannst Ziele haben. Vielleicht nicht unbedingt immer und für alles. Nutze Ziele für dich. Doch nur solange sie dir wirklich nutzen.

Fortschritt

Warum solltest du dich auf den Fortschritt fokussieren, wenn es überall nur um Ergebnisse geht? Letztendlich sind Ergebnisse wichtig, oder?

Ja natürlich. Doch wenn du dich auf das Ergebnis fokussierst, gewinnst du einmal. Wenn du dich stattdessen auf den Prozess und die Entwicklung fokussierst, gewinnst du immer und immer wieder.

Es geht nicht darum, einmal gute Ergebnisse zu erlangen. Nein. Du willst immer und immer wieder gute Ergebnisse erreichen. Das tust du indem du dich auf den Fortschritt fokussierst. Indem du die Ergebnisse zurückstellst und stattdessen lernst, wie du immer besser wirst. Die Ergebnisse kommen dann schon.

Täglich ein winzig kleiner Fortschritt ist mehr wert, als sporadisch ein großes Stück weiter zu kommen. Es geht nicht nur um die Ergebnisse. Es geht darum, dass du täglich Energie investiert. Es geht darum, dass du besser wirst. Dass du besser darin wirst, besser zu werden.

Wichtig ist nicht, dass du immer Großes vollbringst. Wichtig ist nicht, dass du immer Steine umdrehst. Wichtig ist, dass du immer antrittst. Dass du regelmäßig an dir und deinen Fähigkeiten arbeitest. Dass du täglich einen winzigen Fortschritt machst.

Bei deinem 1. Training bist du völlig untrainiert. Bei deinem 1000. Training bist du stark und durchtrainiert.

Bei deinem 1. Vortrag bist du unsicher und nervös. Bei deinem 1000. Vortrag wirkst du seriös, selbstsicher und professionell.

Dein 1. Blogbeitrag ist schlecht (meiner war es zumindest). Dein 1000. ist großartig (meiner wird es hoffentlich sein).

Es geht nicht darum, wie gut oder schlecht du etwas am Anfang machst. Jeder hat mal angefangen. Jeder war mal schlecht. Jeder kann sich verbessern. Es ist nicht wichtig, wo du momentan bist, sondern wie deine Entwicklung verläuft. Fokussiere dich auf den Prozess. Werde besser und lerne. Deine Entwicklung zählt.

Weniger beschäftigt

»Ich bin beschäftigt.« Sicherlich hast du das selbst schon mal gesagt. Und wahrscheinlich viel öfter gedacht. Da praktisch jeder beschäftigt ist, könnte man meinen, dass es so sein muss. Doch beschäftigt zu sein, ist keine Notwendigkeit. Es ist nicht unausweichlich. Jeder von uns kann ganz bewusst Schritte in Richtung eines weniger beschäftigten Lebens tun. Wünscht du dir ein wenig Inspiration, wie du das schaffst? Na dann los.

Beschäftigt zu sein, ist eine Entscheidung

Vielleicht stößt diese Aussage bei dir auf Widerstand. Doch wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist da eine Menge dran. Das meiste was du täglich tust, musst du nicht tun. Du könntest auch anders handeln. Natürlich hätte das Konsequenzen. Doch du könntest anders handeln. Du entscheidest dich also dazu, das zu tun, was du tust. Du entscheidest dich, beschäftigt zu sein. Wenn wir dies akzeptieren, kann es schon einen großen Unterschied bei uns machen.

Prioritäten richtig setzen

Letztendlich geht es nicht darum, dass wir viele Sachen tun. Das Problem ist, dass wir oft Sachen tun, die keine große Bedeutung haben. Wenn wir einfach nur beschäftigt sind, tun wir Sachen, die nicht wichtig sind. Indem du dir deinen Prioritäten bewusst wirst, kannst du dich auf die wichtigen Sachen fokussieren.

Beschäftigt zu sein, ist nichts Erstrebenswertes

Lass uns aufhören, beschäftigt zu sein, als etwas Tolles zu sehen. Lasst uns mit der Verherrlichung aufhören. Teilweise bekommt man den Eindruck, dass es erstrebenswert wäre, beschäftigt zu sein. Doch das ist es nicht. Es ist erstrebenswert, Werte, Ziele und Prioritäten zu haben und sich auf diese zu fokussieren.

Weniger Dinge

Wenn wir weniger Dinge haben, verbringen wir weniger Zeit und Energie mit kaufen, pflegen und organisieren. Weniger Dinge mehr Zeit. Weniger Dinge weniger beschäftigt. Im Grunde ganz simpel.

Raum im Tagesablauf schaffen

Wir können uns einfach mal bewusst Zeit für Nichts nehmen. Es ist irgendwie traurig, wenn wir Nichts tun einplanen müssen. Doch wenn es hilft, sollten wir dies tun. Indem wir uns solche Zeiten nehmen, schaffen wir bewusst Raum zum Nachdenken. Raum in dem sich Sachen entwickeln können. In denen wir uns entwickeln und entfalten können. 

Nein sagen

Oft sind wir gar nicht so beschäftigt, weil wir uns selbst so viel vornehmen. Andere schieben uns Sachen auf den Teller. Lass dir von anderen nicht Aufgaben und Verpflichtungen aufdrängen. Lerne, Nein zu sagen. So hast du mehr Zeit für andere Sachen.

Sachen unerledigt lassen

Es muss nicht immer alles erledigt werden. Manch einer kann nichts unerledigt lassen. Doch teilweise passiert absolut nichts Negatives, wenn manche Sachen unerledigt bleiben. Das ist eine absolut legitime Option. Nur weil wir etwas machen können, heißt es nicht, dass wir es auch tun sollten.

Wichtige Sachen voranbringen

Wenn du die wichtigen Sachen voranbringst, hilft es dir oft, einfacher loszulassen. Andersherum funktioniert es genauso. Wenn du ständig nur mit unwichtigen Dingen beschäftigt bist, hast du schnell das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen. Dann fällt es dir auch schwerer loszulassen. Kein Wunder, dass du dann immer beschäftigt bist. Das Wichtige bleibt ja auch immer liegen.

Ein paar Änderungen in unserem Mindset können schon einen riesigen Einfluss auf unser Leben haben. Wie ist deine Einstellung zum Beschäftigt sein? Was identifizierst du damit? Ist dir bewusst, dass es völlig OK ist, ein simples Leben zu führen und dabei glücklich zu sein? Denn das ist es.

Nein sagen

Wie oft hast du auf eine Anfrage einfach unüberlegt mit »Ja« reagiert? Wie oft hast du zu etwas zugesagt, obwohl du es eigentlich gar nicht wolltest? Wie oft hast du es bereut, dich auf etwas eingelassen zu haben? Wie oft hast du etwas einfach offengelassen, weil du ein klares »Nein« vermeiden wolltest? Wie kommt es zu diesen Situationen? Um Ärger zu vermeiden? Um dem anderen nicht auf den Schlips zu treten? Weil »Ja« einfach deine Standard-Antwort geworden ist? Weil du dich nicht getraut hast, zu sagen, was du wirklich willst?

Fühlst du dich manchmal nur beschäftigt und nicht produktiv? Hast du manchmal das Gefühl, nur Kleinigkeiten zu bearbeiten und die wichtigen Dinge nicht voranzubringen? Hast du manchmal das Gefühl, dass dein Leben einfach so an dir vorbeigeht? Dass du so viele Sachen tust, nur weil andere sie von dir verlangen? Dass du ständig in Bewegung bist, doch nirgendwo ankommst?

Wenn du eine dieser Fragen mit »Ja« beantwortest hast, dann bist du in sehr guter Gesellschaft. Falls du etwas daran ändern möchtest, gibt es einen simplen Ausweg: Der Weg des Essentialismus. Doch vor allem geht es um eine Sache: »Nein« sagen.

Sehr viele Menschen haben große Schwierigkeiten damit, Nein zu sagen. Wobei das so nicht stimmt. Wir sagen ständig zu allem Möglichen Nein. Wir sind uns dessen meistens nur nicht bewusst. Wenn wir E-Mails beantworten, sagen wir Nein. Wenn wir eine Serie schauen, sagen wir Nein. Wenn wir einkaufen gehen, sagen wir Nein. Sobald wir uns für etwas entscheiden, entscheiden wir uns gegen unzählige andere Sachen. Sicherlich, es ist nicht das gleiche, wie einer Person »Nein« direkt ins Gesicht zu sagen. Dennoch sollten wir uns bewusst machen, dass wir ständig Sachen ablehnen.

Lass mich eine sehr wichtige Sachen betonen:

Wenn wir Ja sagen, sagen wir Nein zu jeder anderen Option.

Das ist uns meistens nicht bewusst. Doch jedes Ja beinhaltet auch immer Nein. Umgekehrt funktioniert es so nicht. Wenn du zu einer Sache Nein sagst, bleiben alle anderen Optionen offen. Du sagst also nur zu einer Sache Nein. Wenn du aber Ja sagst, sagst du zu allen anderen Optionen Nein. Wenn wir uns das wirklich bewusst werden, gehen wir die Sachen vielleicht komplett anders an.

Sehr vielen Menschen fällt es trotzdem schwer, Nein zu sagen. Lass mich dir ein paar Hinweise geben, damit es dir vielleicht leichterfällt.

Trenne deine Entscheidung von der Beziehung

Nur weil du eine Option ablehnst, bedeutet es nicht, dass du auch die Person ablehnst. Es ist nicht deine Verantwortung, wie jemand auf deine Handlung reagiert. Wenn du Nein sagst, sei höflich, wertschätzend, entschieden und klar. Du musst nicht immer direkt das Wort »Nein« nutzen. Oft gibt es auch eindeutige und charmante Alternativen.

Viele Menschen vermeiden ein Nein, weil sie sozialen Druck und Ablehnung vermeiden wollen. Der Drang anderen zu gefallen, ist größer als sich für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen. Willst du wirklich so leben? Das ist weder gut für dich noch für andere.

Die wahren Kosten

Immer nur zuzustimmen sorgt vielleicht dafür, dass du anderen gefällst. So vermeidest du selbst abgelehnt zu werden. Doch du solltest damit Frieden schließen, dass Nein zu sagen oft bedeutet, seine Beliebtheit gegen Respekt zu tauschen. Wir respektieren Menschen, die für sich, ihre Werte und Ziele eintreten. Vor allem wenn sie dies auf eine wertschätzende Art und Weise tun.

Immer wieder versuchen wir einen Zwischenweg zu wählen. Keine richtiges Nein und kein richtiges Ja. Als wäre das eine bessere Option. Doch meistens ist ein vages oder unverbindliches Ja absolut nicht gut. Ein klares und wertschätzendes Nein ziehen die meisten wohl vor. So weiß man zumindest woran man ist. Das ist besser für dich und dein Gegenüber.

Nein zu sagen ist absolut nicht einfach. Oft ist es überaus schwer. Es braucht viel Courage. Häufig Klarheit und eine gewisse Unabhängigkeit. Doch wir sollten uns nicht vormachen, dass die einfachere Option die bessere wäre. Wenn wir zu allem Ja sagen, enden wir beschäftigt und unzufrieden. Gleichzeitig werden wir nie allen Anfragen und Anforderungen gerecht werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir als unzuverlässig angesehen werden oder völlig überfordert ausbrennen. Stattdessen sollten wir nur zu den wichtigen Dingen Ja sagen. Nein ist eine Entscheidung. Ja ist meistens eine Verantwortung. Also wähle bewusst und weise zu was und wem du Ja sagst. Es beeinflusst deinen Tag, deinen Terminkalender, deine Karriere, deine Familie, dein ganzes Leben.

Entscheidungen

Wenn du Menschen danach fragst, werden dir die meisten erzählen, dass es ihnen schwerfällt, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen sind wichtig. Schließlich können wir mit nur einer Entscheidung, unser Leben maßgeblich beeinflussen. Gleichzeitig müssen wir ständig unzählige Entscheidungen treffen. Lass uns einen genaueren Blick auf Entscheidungen werfen.

Was ist eigentlich eine Entscheidung?

Wir fällen eine Entscheidung. Ein Entscheid wird herbeigeführt. Unsere Sprache gibt schon Aufschluss darüber, was das Wesen einer Entscheidung ist. Es hat etwas Endgültiges. Es ist eine Scheidung. Eine Trennung. Wir trennen uns von etwas. Von einer Idee. Von einer Option.

Vielleicht ist es das, warum Entscheidungen für viele so schwer sind. Es ist das Gefühl vom Verlust. Doch ist es wirklich das?

Warum sind Entscheidungen so schwer?

Im Prinzip sind die allermeisten Entscheidungen sehr simpel. A oder B. Ja oder Nein. Es ist oft nichts Kompliziertes dabei. Und trotzdem sind sie kompliziert. Wir machen sie kompliziert. Warum fallen uns Entscheidungen so schwer?

Letztendlich gibt es auch viele Entscheidungen, die für uns sehr leicht zu treffen sind. Immer dann, wenn uns völlig klar ist, was wir wollen. Viele Entscheidungen sind offensichtlich. Warum nicht alle?

Sicherlich weil wir mehrere Optionen bevorzugen. Wir wollen keinen Kompromiss eingehen. Wir wollen beides. Doch kann es sein, dass wir oft gar nicht wissen, was wir denn wollen?

Die meisten Entscheidungen können über eine einfache Frage getroffen werden: »Was ist die beste Option, um meine Ziele zu erreichen und was passt am besten zu meinen Werten?« Doch diese Frage bringt uns nichts, wenn wir nicht wissen, was unsere Ziele oder unsere Werte sind. Um schnell gute Entscheidungen treffen zu können, brauchen wir Klarheit in unserem Leben. Klarheit darüber, was uns wichtig ist. Was wir erreichen wollen. Was unsere Werte sind. Was wir nicht wollen.

So viele Menschen haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Doch liegt das daran, dass Entscheidungen grundsätzlich kompliziert und schwer sind? Oder liegt es vielleicht daran, dass so viele Menschen so wenig Klarheit in ihrem Leben haben?

Das Ziel

Was ist eigentlich das Ziel einer Entscheidung? Das ist wohl etwas, was sich wenig Menschen fragen. Entscheidungen ergeben sich zwangsläufig. Wir können sie als notweniges Übel sehen. Doch wir können uns auch wieder darauf besinnen, welch wundervolle Fähigkeit es ist, dass wir Entscheidungen treffen können. Sie geben uns die Möglichkeit, unser Leben aktiv zu gestalten.

Wir können Entscheidungen also als Mittel sehen, um unsere Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wonach bewerten wir, ob eine Entscheidung gut ist? Wie wäre es damit, dass unser Leben anschließend besser ist? Idealerweise bringen wir mehr Bedeutung, Liebe und Freiheit in unser Leben.

Gleichzeitig wollen wir nicht ständig damit beschäftigt sein, Entscheidungen zu treffen. Denn praktisch gesehen, haben wir unbegrenzt viele Optionen. Wir können an unzählige Orte gehen. Können unzählige Sachen machen. Ein riesiges Problem unserer Zeit ist, dass wir mit unzähligen auf uns einströmenden Informationen nicht umgehen können. Gleichzeitig können wir auch mit all den Optionen nicht umgehen. Wir sind völlig unvorbereitet als Individuum und als Gesellschaft so viel Möglichkeiten zu haben. Stress und Überforderung können schnell die Folge sein.

Daher ist es ratsam, wenn unsere Entscheidungen, unser Leben einfacher machen. Wenn frühere Entscheidungen, spätere Entscheidungen vereinfachen. Das Ziel einer Entscheidung könnte es sein, eine Entscheidung zu treffen, die 1000 andere Entscheidungen unnötig macht. Wollen wir uns wirklich ständig mit unbedeutenden Sachen beschäftigen? Wie viel Zeit verbringen wir mit Sachen, die weder unser noch das Leben anderer besser machen?

Unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ist so unglaublich wertvoll. Wir können analysieren, abwägen, zurückblicken und uns eine Meinung bilden. Auf dieser Grundlagen können wir bewusste Entscheidungen treffen. Das Ausmaß mit der wir dies können, unterscheidet uns von allem anderen Leben, das wir kennen. Man könnte meinen, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, macht uns menschlich.

Mit der Erklärung der Menschenrechte sprechen wir jedem Menschen den freien Willen zu. Wir haben danach das Recht, auszuwählen. Es ist ebenso ein Recht, wie zu leben und frei zu sein. Ist es nicht irgendwie verrückt, dass so viele Menschen so oft keinen Gebrauch davon machen? Dass so viele Menschen sich einfach Vorgaben hingeben? Dass sie keine Entscheidungen treffen wollen?

Nicht zu entscheiden, ist vielleicht einfacher. Es nimmt den Druck raus. Schließlich haben wir keine Wahl. So können wir die Verantwortung abgeben. Doch so funktioniert es nicht. Und ich möchte behaupten, es ist auch nicht erstrebenswert. Entscheidungen zu treffen, gehören zum Kern, was es beutetet, ein Mensch zu sein.

3 Prinzipien des Essentialismus

Vielen Ideen, Theorien und Philosophien liegen jeweils sehr wenige Grundannahmen zugrunde, aus denen sich alles weitere ableiten lässt. So bildeten die Einsteinschen Postulate – also das Prinzip der Relativität sowie der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit – die Grundlage für die spezielle Relativitätstheorie. Auch im Essentialismus gibt es einige solcher Grundannahmen, von denen sich so viel ableiten lässt. Lass uns 3 Grundprinzipien näher beleuchten. Sie bilden die Grundlage für Empfehlungen und Vorgehensweisen. Sie geben Orientierung und vereinfachen Entscheidungen.

Das erste Prinzip: Es gibt individuelle Entscheidungen

Wir haben die Wahl. Wir haben die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Können aussuchen, wie wir unsere Zeit und unsere Energie nutzen wollen. Ohne Entscheidungen macht es keinen Sinn über Prioritäten, Möglichkeiten und Kompromisse zu reden.

Dabei ist es erstmal zweitrangig, ob wir die Entscheidungen völlig bewusst treffen oder nicht. Teilweise haben wir eine Entscheidung bereits getroffen, bevor uns das bewusst ist. Wichtig ist jedoch, dass wir als System Mensch Entscheidungen treffen können.

Wenn wir an Entscheidungen denken, sehen wir diese oft als Sachen. Doch eine Entscheidung ist keine Sache. Unsere Optionen und Möglichkeiten können Sachen sein. Doch eine Entscheidung ist eine Aktion. Es ist nichts, was wir haben. Es ist etwas, was wir tun. Wir haben die Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen. Wenn wir es tun, gibt es nichts, was wir irgendwie aufbrauchen.

Und ja, Entscheidungen zu treffen, ist oft schwer. Es bedeutet zu anderen Sachen nein zu sagen. Es kann sich wie ein Verlust anfühlen – schließlich haben wir anschließend weniger Optionen. Entscheidungen sind oft schwer zu treffen, dabei sind sie oft ganz simple.

Es sollte offensichtlich sein, welch große Bedeutung Entscheidungen auf unser Leben haben. Im Essentialismus legt man daher eine besondere Aufmerksamkeit auf Entscheidungen. Es geht darum, sich seine eigene Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, immer wieder bewusst zu machen. Nicht zu meinen ”ich muss”, sondern ”ich entscheide mich“. Diese Fähigkeit ist etwas tief in uns. Sie ist unabhängig von unserer Umgebung und anderen Menschen. Sind unsere Entscheidungen unabhängig? In den allermeisten Fällen nicht. Doch unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ist es.

Eine der wichtigsten Sachen ist daher, dass wir uns dafür entscheiden, Entscheidungen zu treffen. Uns nicht als Opfer zu sehen. Nicht passiv zu sein. Denn wenn wir diese Fähigkeit abgeben, begeben wir uns in Hilflosigkeit. Wir können vergessen, dass wir uns entscheiden können. Dann begeben wir uns in die Hände von anderen. Sind den Entscheidungen anderer ausgeliefert. Wir können sogar ein Opfer unserer eignen früheren Entscheidungen werden. Nicht fähig, neue und bessere Entscheidungen zu treffen. Doch genau das sollten wir. Bewusst und aktiv Entscheidungen treffen. Und das in allen Bereichen unseres Lebens.

Das zweite Prinzip: Störungen sind überall

Störungen und Ablenkung sind überall verbreitet. Tatsächlich ist fast alles eine Ablenkung. Nur sehr sehr wenig ist wirklich bedeutungsvoll und wertvoll. Das meiste ist für uns nicht wichtig.

Manche Sachen sind wichtiger als andere. Wer bewertet, was für dich wichtig ist? Natürlich du. Doch dafür musst du wirklich ehrlich zu dir sein. Wenn du ehrlich zu dir bist, weißt du, was dir wichtiger ist. Du weißt, dass nicht alles gleich viel für dich bedeutet. Du musst sie nur vergleichen:

  • Am Abend irgendwelche Arbeits-E-Mails beantworten vs. dein Kind ins Bett bringen
  • Nach Angeboten recherchieren vs. dir über deine Lebensziele Gedanken machen
  • bei Instagram den Feed scannen vs. dich mit deinem Partner unterhalten

Manche Sachen bedeuten uns mehr als andere. Das ist die Rechtfertigung und gleichzeitig die Notwendigkeit, dass wir uns die Zeit nehmen, um herauszufinden, was für uns am wichtigsten ist. 

Das dritte Prinzip: Kompromisse sind unausweichlich

Wir können nicht alles haben oder alles tun. Wir können nicht überall sein. Wir können nicht alles sein. Wenn wir es könnten, dann gäbe es keinen Grund, zu priorisieren. Dann müssten wir nicht bewerten und einige Sachen anderen vorziehen. Kompromisse sind fester Bestandteil des Lebens.

Wenn wir das verinnerlichen, ändert sich unser Mindset. Wir fragen nicht mehr Sachen wie: „Wie kann ich das alles unterbringen?“ oder „Was mache ich zuerst?“ Stattdessen fangen wir an zu fragen, „was möchte ich davon tun?“ oder „welches Problem möchte ich lösen?“ Denn wir können nicht alles tun. In einer Zeit in der unsere Möglichkeiten und Optionen immer mehr zunehmen, hast du diese Erfahrung sicherlich bereits selbst gemacht.

Das sind drei Grundprinzipien des Essentialismus. 1. Das erste Prinzip: Es gibt individuelle Entscheidungen 2. Das zweite Prinzip: Störungen sind überall 3. Das dritte Prinzip: Kompromisse sind unausweichlich

Verinnerliche diese Prinzipien und handle entsprechend.

Wie du weniger beschäftigt bist

Die meisten von uns sind ziemlich beschäftigt. Im Prinzip jeden Tag. Einige identifizieren sich sogar damit. Meinen, dass sie beschäftigt sein müssten. So sehr ist es schon normal geworden. Lass uns annehmen, jemand ist sich bewusst, dass das nicht erstrebenswert ist. Was dann? Wie können wir weniger beschäftigt sein? 

Es fängt mit einer Entscheidung an. Mit der bewussten Entscheidung, weniger beschäftigt zu sein. Bewusst das Spiel des Beschäftigtseins abzulehnen. Sich nicht mehr daran zu messen, wer mehr macht. Zu hinterfragen, was man selbst eigentlich die ganze Zeit macht. Aufgaben, E-Mails, Meetings, Serien, Social Media, Anrufe … All das wird nie ein Ende haben. Wenn du alle E-Mails abgearbeitet hast, kommt doch wieder die nächste. Es wird immer eine weitere Aufgabe geben. Immer etwas, was du zur To-do-Liste hinzufügen kannst. Auf Instagram gibt es immer noch ein Post, immer noch eine Story zu entdecken. Und wozu all das? Mit welchem Ziel? Es geht immer weiter und am Ende gibt es vielleicht gar kein Ziel.

Doch ist das Leben an sich nicht das Ziel? Der Weg? Ist nicht jeder Augenblick, das was wirklich zählt? Unsere Augenblicke nicht mit Aufgaben zu füllen, sondern mit Bedeutung, Glück und Liebe?

Zum Glück liegt es an uns, unser Beschäftigtsein mit kostbaren Sachen auszutauschen. Dringlichkeit durch Bedeutung zu ersetzen. Uns für bedeutungsvoll statt einfach nur voll zu entscheiden. Mehr Zeit und Raum zwischen Sachen zu haben, statt möglichst viel in unseren Tag zu stopfen. Wird es nicht Zeit, weniger beschäftigt und dafür glücklicher zu sein? Doch wie schaffen wir das?

Im Prinzip ist es simpel: Indem wir weniger Sachen machen. Einfach aufhören. Natürlich klappt das oft nicht so einfach. Wir haben nur bedingt die Kontrolle über unser Leben. Schließlich haben die meisten von uns Verpflichtungen. Einen Job. Menschen, die auf uns zählen und angewiesen sind. Es ist schwer, wenn dein Chef von dir erwartet, dass du beschäftigt bist. Wenn du nicht dafür belohnt wirst, Dinge zu hinterfragen und besser zu machen. Tu es trotzdem. Doch tu es bewusst und kalkuliert. Letztendlich musst du nicht sofort alles ändern.

Eine kleine Übung: Mach dir eine Liste mit 2 Spalten. Auf der einen Seite schreibst du all das, was dir wirklich wichtig ist. Was du mehr machen möchtest. Auf der anderen Seite schreibst du all die Dinge, die du am liebsten aus deinem Leben entfernen würdest. All das, was du nicht mehr machen möchtest. Dann tust du mehr von Spalte 1 und weniger von Spalte 2. Es gibt keinen geheimen Trick, um weniger beschäftigt zu sein. Du bist es einfach.

Sicherlich gibt es viele Sachen, die du nicht so einfach fallenlassen kannst. Es geht auch nicht darum, dass alles im Leben Spaß macht. Viel mehr, dass du dich damit auseinandersetzt, was du im Leben tun willst. Tue diese Dinge. Tue einfach mehr von diesen Dingen. Tue Dinge bewusst. Setzt dich für deine Ziele ein. Setzt dich dafür ein, Sachen anders zu machen. Setzt dich dafür ein, deine Arbeit anders zu gestalten. 

Am Ende ist es fast egal, was du tust. Es geht darum, wie du die Dinge tust. Dein Mindset ist wichtig. Du kannst weniger beschäftigt sein, in dem du achtsam bist. Nicht ständig mit den Gedanken schon bei der nächsten Sache. Stattdessen im Hier und Jetzt bist.

Halte öfter mal inne. Atme ein und wieder aus. Genieße den Moment. Lache. Freu dich. Fokussiere dich darauf, was du gerade tust. Was gerade ist und passiert. Finde inneren Frieden – unabhängig von den Geschehnissen um dich herum. Das ist es, wie du weniger beschäftigt bist.

Sei nicht beschäftigt

Wir sind alle beschäftigt. Schau dich doch nur mal um: Alle sind immer am Machen und Tun. Meistens tun wir sogar mehrere Dinge gleichzeitig. Es reicht nicht mehr, einfach nur eine Sache zu tun.

Oft ergibt sich ein bizarres Bild: Menschen mit dem Gesicht vor einem leuchtenden Bildschirm. Ihr Gesicht nach unten gewandt. So wandeln sie umher. Selbst beim Laufen werden nur die allernötigsten Blicke nach vorne geworfen. Es wird wohl Zeit, dass wir ein weiteres Paar Augen bekommen. 

Wir leben in einer beschäftigten Welt. Beschäftigt zu sein, wird oft als Zeichen gesehen, dass man produktiv ist. Dass man wichtig ist. Dass man hart arbeitet und einen bedeutenden Beitrag leistet. Dass man es richtig macht. Wohl in Ermangelung an besserer Orientierung. Möglichst immer mehr machen. Und sobald eine Lücke zu sehen ist, stürzen wir uns auf das nächste Projekt. Auch unsere Freizeit wird möglichst immer verplant und vollgestopft. Schließlich gilt es keine Zeit zu verschwenden.

Sicherlich gab es mal eine Zeit, in der Mitarbeiter möglichst beschäftigt sein sollten. Nur fleißige Bienen, die einfache Aufgaben bewältigen. Doch kaum jemand arbeitet noch am Fließband. Trotzdem werden viele Menschen weiterhin danach beurteilt, wie beschäftigt sie sind. Wie viele E-Mails sie schreiben. Wie viele Anrufe sie tätigen. Wie viele Zeichen Code sie produzieren. Wie viele neue Features erstellt werden. Wie viele Meetings sie besuchen. Wie viele Stunden sie anwesend sind.

Wir Menschen sind keine Maschinen und sollten uns auch nicht als solche sehen. Diese Analogie war auch für die Wirtschaft niemals wirklich relevant. Lean Thinking hat nachhaltig gezeigt, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, die Auslastung einer Maschine zu maximieren, um die Gesamtproduktivität zu erhöhen. Und wenn es darum geht, kreativ zu sein, Probleme zu lösen und Sachen zu gestalten, ist ”beschäftigt sein“ sicherlich kein Erfolgsfaktor.

Trotzdem, irgendwie meinen wir weiterhin, dass es erstrebenswert wäre, beschäftigt zu sein. Und selbst wenn wir merken, dass alles zu viel wird, planen wir den ”Ausgleich“ ein. Wieder eine Sache mehr, die wir tun. Und so dreht sich das Hamsterrad weiter und weiter.

Was ist die Alternative? Nichts zu tun? Denn natürlich müssen wir arbeiten. Wir müssen gewisse Dinge tun. Gerade wenn man Ambitionen und Ziele hat, muss man nun mal viel tun – also beschäftigt sein. Oder nicht?

Ich denke nicht. Es ist wichtig, einige Sachen zu tun. Doch statt einfach nur beschäftigt zu sein, sollten wir uns fokussieren. Fokussiert das Wesentliche voranbringen. Oberflächig mag der Unterschied nicht sichtbar sein. So verbringt eine beschäftigte Person ebenso wie eine fokussierte Person viel Zeit damit, Dinge zu erledigen. Doch eine fokussierte Person macht sich bewusst Gedanken über das Was, Wie und Warum. Es geht nicht einfach nur darum, möglichst viel, möglichst schnell zu tun. Stattdessen gilt es das Wesentliche zu tun.

Praktisch bedeutet das, dass man deutlich weniger macht. Weniger, aber besser. Das mag vielleicht nicht so gut klingen, wenn man anderen davon erzählt. Vielleicht wird man sogar nicht mal dafür belohnt. Vielleicht ist es einfacher, beschäftigt zu sein. Ich möchte dich trotzdem ermuntern, dich lieber zu fokussieren. Sei nicht beschäftigt. Sei fokussiert. Widme deine ganze Aufmerksamkeit nur wenigen Sachen. Dafür bist du dann voll und ganz da. Dafür machst du diese Sachen, dann besonders gut. Dafür tust du das, was sich eigentlich eh besser anfühlt.

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