Optionen

In den letzten Jahrzehnten sind die Möglichkeiten, die jeder einzelne von uns hat, enorm gestiegen. Es gibt kaum einen Bereich unseres westlichen Lebens, in denen wir nicht eine unüberschaubare Auswahl haben. Nicht alle Optionen wie jeder mögliche Job stehen jedem offen. Doch grundsätzlich ist die Auswahl unüberschaubar.

Optionen zu haben, ist etwas Gutes, oder? Die meisten Menschen würden sehr viele Optionen als etwas Positives sehen. Keine Frage, keine Optionen zu haben, ist definitiv nicht besser. Doch können zu viele Möglichkeiten auch ihre Schattenseiten haben? Kann es sein, dass wir mit all diesen Optionen gar nicht umgehen können? Kann es sein, dass wir das erste Mal in der Geschichte der Menschheit so viele Optionen haben, dass sie uns überfordern? Dass sie zu einer Ursache von Leid werden? Jeder von uns hat unglaublich viele Optionen und weder wir als Individuum noch wir als Gesellschaft sind darauf vorbereitet. Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen.

Warst du schon mal in der Situation, dass du zu zwei tollen Events hättest gehen können, nur dass beide gleichzeitig stattfanden? Vielleicht ein Geburtstag und ein Konzert. Konntest du dich schon mal nicht entscheiden, wo du hingehst? Sicherlich. Dies verursacht schnell Stress. Manchmal kann es so weit gehen, dass wir zu keinem der beiden Events gehen. Ist das nicht verrückt?

Oder bei vielen Menschen kommt der alljährliche Silvesterstress: Wo ist man zum Jahreswechsel? Eigentlich könnte es ein schöner und entspannter Abend sein. Doch so viele Optionen machen alles kompliziert.

Natürlich gibt es noch ganz andere Bereiche. Wie sieht es mit der Berufswahl aus? Wieder: Wenn einem mehr Möglichkeiten offen stehen, sollte dies gut sein, richtig? Doch gleichzeitig plagen sich so viele Menschen, was sie denn werden wollen. Dann heißt es: „Ich könnte alles, wenn ich nur wüsste, was ich will.“ Weißt du, was du im Leben willst? Viele Menschen wissen es nicht. Und mehr Optionen machen es auch nicht leichter. Tatsächlich machen es mehr Optionen komplizierter. Es kann so weit gehen, dass wir uns völlig überfordert fühlen und einfach gar nicht entscheiden wollen. Wir fühlen uns nicht in der Lage, eine gute Entscheidung zu treffen.

In der Tat kosten uns Entscheidungen Energie. Wir müssen analysieren, abwägen, bewerten und uns entscheiden. Bei all den vielen Optionen müssen wir täglich unzählige Entscheidungen treffen. Je mehr Entscheidungen wir treffen müssen, desto schlechter wird die Qualität unserer Entscheidungen. Im Laufe des Tages nimmt also unsere Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen, ab. Man spricht auch von Entscheidungsermüdung. Optionen haben also auch ihre Kosten.

Es ist aber nicht nur die große Menge an Optionen, die uns zu schaffen macht. In den letzten Jahren hat zusätzlich noch etwas anderen enorm zugenommen: Die Meinungen mit denen wir konfrontiert werden. Social Media hat es ermöglicht, dass jeder seine Meinung zu alles verkünden kann. Wir bekommen mit, was andere tun. Wir bekommen ein Bild vermittelt, was das ”Richtige” ist. Natürlich kommen dann noch die Meinungen von uns Nahestehenden hinzu: „Es ist egal, was du machst, Hauptsache du bist glücklich.“ Oder: „Wir wollen nur das Beste für dich. Dir stehen alle Möglichkeiten offen.“

Wir haben also unzählige Optionen, verbunden mit einem steigenden Einfluss auf unsere Optionen. Es liegt nicht mehr alleine bei uns, wie wir die Optionen sehen und was wir mit ihnen machen. Manchmal kann es sich sogar anfühlen, als würde die ganze Welt zuschauen, was wir machen. Womit wir enden, ist nicht nur eine Flut von Optionen und Informationen, sondern auch mit einer Flut von Meinungen. Was für ein toller Mix. Wozu dies führt, hat wohl jeder schon Mehrfach erlebt.

Also, vielleicht sind weniger Optionen manchmal besser?

>